Die Nacht vor dem Scan Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, als ich den Begriff "Scanxiety" hörte. Es kam von einer Patientin, die ich coachte, einer Frau in ihren Fünfzigern, die zwei Chemotherapie-Runden durchgemacht hatte. Sie beschrieb es als eine eigentümliche Art von Angst – nicht nur Angst vor schlechten Nachrichten, sondern eine unmittelbare, atemraubende Spannung, die sich vor jedem Folgescan tagelang aufbaute. "Es ist, als würde man auf ein Urteil warten", sagte sie, "aber die Jury ist mein eigener Körper." Im Laufe der Jahre habe ich in diesen unsicheren Stunden mit Hunderten von Patienten und Betreuern zusammengesehen. Als Achtsamkeitscoach mit Schwerpunkt auf Krebsbehandlung habe ich gelernt, dass Scanxiety nichts ist, das man "überwinden" sollte. Es ist eine natürliche Reaktion auf eine unnatürliche Situation. Aber ich habe auch etwas Schönes entdeckt: In dieser Angst liegt eine Chance für eine tiefe Präsenz. Der Atem, der vor Sorge flach wird, kann zum Anker werden, ein Weg zurück in den gegenwärtigen Moment, in dem die Zukunft zu schwer erscheint, um sie festzuhalten. Das ist die Praxis, die ich heute mit Ihnen teilen möchte – eine einfache, sanfte Atemmeditation, die unzähligen Menschen geholfen hat, Momente des Friedens zu finden, während sie auf Ergebnisse gewartet haben. Du brauchst keine spezielle Ausrüstung oder Vorerfahrung. Alles, was du brauchst, ist dein Atem und die Bereitschaft, freundlich zu dir selbst zu sein. #
Wie sich Scanxiety im Körper anfühlt Bevor wir anfangen, wollen wir anerkennen, was passiert. Scanxiety ist nicht nur in deinem Kopf; Es lebt in deinem Körper. Sie könnten bemerken: - Ein Engegefühl in Brust oder Hals - Flaches, schnelles Atmen - Unruhe oder Unfähigkeit, stillzusitzen - Herzrasen - Muskelverspannungen, besonders in Schultern und Kiefer - Schlaf- oder Konzentrationsprobleme Dies sind normale Stressreaktionen. Dein Nervensystem erfüllt seine Aufgabe – es versucht, dich vor wahrgenommener Gefahr zu schützen. Das Problem ist, dass wir vor einem Scan nicht fliehen können, so wie unsere Vorfahren vor einem Raubtier davongelaufen wären. So wird die Energie gefangen und zirkuliert durch unseren Körper als Angst. Die gute Nachricht? Indem du *mit* deinem Körper statt dagegen arbeitest, kannst du dieses Muster sanft verändern. Da kommt der Atem ins Spiel. #
Die Praxis: Vier-Schritte-Atmung bei Scanxiety Finde eine bequeme Position. Du kannst auf einem Stuhl sitzen und die Füße flach auf dem Boden haben, dich hinlegen oder sogar stehen, wenn sich das besser anfühlt. Es gibt keinen falschen Weg, solange du dich einigermaßen wohlfühlst. ##
Schritt 1: Beachten (1–2 Minuten) Beginnen Sie damit, einfach Ihren Atem zu wahrnehmen. Versuch nicht, es zu ändern. Beurteile es nicht als "zu oberflächlich" oder "falsch". Pass einfach auf. Wo spürst du deinen Atem am stärksten? In deinen Nasenlöchern? Deine Brust? Dein Bauch? Geht es schnell oder langsam? Tief oder flach? Welche Temperatur hat die Luft, wenn sie in deinen Körper ein- und austritt? Dieser erste Schritt besteht darin, Informationen zu sammeln, wie ein Wissenschaftler, der ein Phänomen beobachtet. Es gibt kein Ziel außer Bewusstsein. ##
Schritt 2: Weicher werden (2–3 Minuten) Richten Sie nun Ihre Aufmerksamkeit auf jede Spannungsstelle, die Sie bemerkt haben. Für viele Menschen mit Scanxiety handelt es sich dabei um die Brust, den Hals oder die Schultern. Während du einatmest, stell dir vor, dass der Atem direkt in diesen angespannten Bereich fließt. Wenn du ausatmest, stell dir vor, wie die Spannung weicher, schmilzt oder sich auflöst – nur ein wenig. Man könnte still zu sich selbst sagen: "Beim Einatmen weicher werden... Beim Ausatmen entlassen." Erzwinge keine Entspannung. Betrachte es als eine Einladung deiner Muskeln zum Loslassen, so wie du vielleicht ein verängstigtes Tier einladen würdest, sich zu nähern. Sanft. Geduldig. ##
Schritt 3: Verlängern (3–4 Minuten) Sobald Sie sich etwas entspannter fühlen, beginnen Sie, Ihre Ausatmungen sanft zu verlängern. Nicht dramatisch – nur ein oder zwei Sekunden länger als dein Einatmen. Probieren Sie dieses Muster aus: - Langsam einatmen für 3 oder 4 Zähler - Noch langsamer ausatmen für 5 oder 6 Minuten. Dieses verlängerte Ausatmen aktiviert Ihr parasympathisches Nervensystem – die natürliche Entspannungsreaktion des Körpers. Es sendet ein Signal an dein ganzes System: "Du bist jetzt sicher. Du kannst dich ausruhen." Wenn dein Geist zum Scan abschweift oder sich Sorgen um die Ergebnisse macht, ist das völlig normal. Lenke deine Aufmerksamkeit sanft zurück zum Zählen. Kein Tadel. Ich komme gerade zurück. ##
Schritt 4: Ruhen (2–3 Minuten) Für die letzten Minuten lassen Sie jede Technik los. Kehre einfach dazu zurück, deinen Atem wahrzunehmen, wie in Schritt 1, aber mit einem Gefühl des Zulassens. Lass deinen Atem seinen eigenen natürlichen Rhythmus finden. Ruhe in dem Bewusstsein, dass in diesen wenigen Minuten nichts von dir verlangt wird. Du musst die Angst nicht bekämpfen. Du musst nicht mutig sein. Du musst einfach atmen. Wenn du bereit bist, richte langsam deine Aufmerksamkeit wieder auf den Raum. Nimm alle Geräusche wahr, das Gefühl deines Körpers im Stuhl, das Licht um dich herum. Beweg dich vorsichtig. #
Es praktisch machen: Kleine Momente zählen Du musst nicht die volle 10-minütige Übung machen, um davon zu profitieren. Tatsächlich entstehen einige der leistungsstärksten Anwendungen in winzigen Momenten: - **Im Wartezimmer:** Anstatt durch dein Handy zu scrollen (was oft die Angst erhöht), probiere nur eine Minute von Schritt 1 – einfach deinen Atem wahrzunehmen. Spüre deine Füße auf dem Boden. Du bist jetzt hier. Der Scan hat noch nicht stattgefunden. - **Während des Scans selbst:** Viele Patienten stellen fest, dass die rhythmischen Geräusche des Geräts zum Fokus für die Atemwahrnehmung werden können. Passen Sie Ihren Atem dem Rhythmus an: Einatmen für zwei Klicks, ausatmen für drei. - **Mitten in der Nacht:** Wenn dich die Sorge weckt, lege eine Hand auf dein Herz und atme fünf langsam durch. Die Wärme deiner Hand kann überraschend tröstlich sein. #
Eine sanfte Erinnerung an Selbstmitgefühl An manchen Tagen fühlt sich die Angst größer an als dein Atem. Das ist in Ordnung. Diese Praxis dient nicht dazu, Scanxiety zu beseitigen – es geht darum, kleine Oasen des Friedens darin zu schaffen. An schwierigen Tagen verkürzt man die Übung vielleicht auf nur drei Atemzüge. Oder du sagst dir einfach: "Das ist gerade wirklich schwer", und lässt das genug sein. Manchmal ist Anerkennung die kraftvollste Achtsamkeitspraxis von allen. #
Warum das funktioniert: Die Wissenschaft der Atmung und Angst Forschung zeigt, dass kontrollierte Atempraktiken: - Cortisolspiegel (das Stresshormon) senken - Blutdruck und Herzfrequenz senken - Herzfrequenzvariabilität erhöhen (ein Marker für Resilienz) - Bereiche des präfrontalen Kortex aktivieren, die mit emotionaler Regulation verbunden sind. Aber es braucht keine Studien, um zu beweisen, dass es funktioniert. Deine eigene Erfahrung ist Beweis genug. Achte darauf, wie du dich auch nach drei achtsamen Atemzügen im Vergleich zu vorher fühlst. #
Deine Einladung Morgen oder wenn das nächste Mal die Angst steigt, lade ich dich ein, diese Praxis auszuprobieren. Fang mit nur fünf Minuten an. Schau, was passiert. Denken Sie daran: Sie versuchen nicht, einen bestimmten Zustand zu erreichen. Du freundest dich einfach mit deinem Atem an – und damit auch mit dir selbst in diesem schwierigen Moment. Der Scan wird stattfinden. Die Ergebnisse werden kommen. Aber dazwischen gibt es Atemzüge. Und jeder einzelne ist eine Gelegenheit, in die Gegenwart zurückzukehren, wo der Griff der Angst immer ein wenig lockerer ist. --- *John Rodriguez ist ein zertifizierter Achtsamkeitscoach mit Sitz in Melbourne, Australien, wo er das Programm "The Mindful Cancer Journey" leitet. Er arbeitet seit über drei Jahren mit Krebspatienten und Betreuern und ist auf das Management von Angststörungen während der Behandlung und Genesung spezialisiert. Sein Markenzeichen "Frieden ist auch hier möglich", spiegelt seinen Glauben wider, dass Momente der Ruhe selbst in den schwierigsten Umständen gefunden werden können.* *"Der tiefste Frieden, den ich erlebt habe", sagt er, "kommt oft nicht aus der Abwesenheit von Angst, sondern aus dem Mut, sie durchzuatmen." *
"Frieden ist möglich, selbst hier"– John Rodriguez
Ruhe im Wartezimmer finden
Der Rhythmus des achtsamen Atems
Gemeinsames Atmen, geteilter Trost
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